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Thema:
Spenderehrungen
Komme gerade zurück aus einer Brasilienreise. Dort gibt es tatsächlich für Blutspender Vorteile im Alltag (zB reduzierte Preise im öffentlichen Verkehr und bei Sehenswürdigkeiten). Selbst ich mit meinem deutschen Blutspendeausweis hab dadurch 50% Rabatt erhalten. Wäre das nicht auch eine Idee hierzulande, um mehr Menschen fürs Blutspenden zu begeistern? Ich wollte es jedenfalls mit euch teilen und hören, was ihr dazu denkt.
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Thüringen –
@ Werner R:
Ich verstehe Deine Motivation, aber das kann man nicht verallgemeinern. Ich habe meine persönlichen Spendemotivationen – und die haben auch weder etwas mit Geld, noch mit Gutscheinen oder Freizeit zu tun. Aber ich würde nicht davon ausgehen, dass jeder genauso ticken muss. Dir geht es um die Patienten, mir um das Gesundheitssystem/Medizin, wieder anderen um Fairness á la "ich nehme, also gebe ich"... Und wenn das ausreicht, schön. Aber wenn es Menschen gibt, die sich nur durch Belohnungen motivieren lassen, dann bleibt einem nichts anderes übrig, als diese Realität anzuerkennen. Und das ist nun mal Realität, egal, was man davon hält; sowas kann man nicht einfach wegappellieren. Von "kann man nicht spenden, ohne gleich etwas dafür zu bekommen" werden die Blutreserven auch nicht mehr.
Abgesehen davon finde ich es auch nicht verwerflich, wenn mehr Menschen zum Spenden kommen würden, wenn es Belohnungen gibt. Ich würde das nicht verurteilen (auch wenn ich intrinsische Motivationen bevorzuge). Immerhin unterzieht man sich einem medizinischen Eingriff und gibt einen Teil seines Körpers ab... Das ist nicht unbedingt selbstverständlich.
Bayern –
Hallo Uta, fände ich eine hervorragende Idee.
Wird hald an der Finanzierbarkeit scheitern.
Liebe Grüße aus Niederbayern und frohe Weihnachten! 🌲
Baden-Württemberg –
@ Werner R.:
Es ist wirklich uneingeschränkt positiv, wenn du aus deiner persönlichen Situation für dich diese Konsequenz gezogen hast. Doch nicht alle Menschen denken und handeln so.
Oder anders gesagt: viele denken so, handeln aber anders. Ich erinnere noch einmal an die jüngste ADAC-Studie zum Blutspenden.
https://presse.adac.de/meldungen/adac-ev/clubleistungen/adac-studie-mehr-potenzial-blutspenden.html
Danach bewerten rund 80 Prozent der Befragten Blutspenden als gesellschaftlich wichtig, 65 Prozent zeigen sich grundsätzlich spendenbereit.
ABER: nur 3 - 5 Prozent der spendefähigen Erwachsenen in Deutschland spenden tatsächlich Blut. Diese Lücke gilt es zu füllen, und dazu gehört auch, sich über mögliche Anreize für potentielle Spender Gedanken zu machen. Wie oft höre ich in Gesprächen zu sozialen Projekten (beliebiger Art) das Argument: "Schön und gut - aber für mich tut auch keiner was"...
Diese Erwartungshaltung, verbunden mit gleichzeitgiger Reserviertheit gegenüber dem eigenen Einsatz - hier scheint mir ein großes Problem in unserer Gesellschaft zu liegen. Aber dafür können ja die Unfallopfer oder Krebspatienten nichts, die JETZT auf Blut angewiesen sind.
Wie Martin K zutreffend angemerkt hat, gibt es zudem ein erhebliches Missverhältnis zwischen dem (materiellen und ideellen) Wert einer Blutspende - der seitens des DRK zurecht immer wieder betont wird - und den sichtbaren Zeichen der Wertschätzung gegenüber den Spendern.
Bayern –
@Werner: Kann man, oder häufiger kann man auch nicht. Es sieht ja doch so aus, dass ein kleiner Prozentsatz der Bevölkerung die Hauptlast trägt, entweder aus einer intrinsischen Motivation heraus oder weil ihnen wegen eines Notfalls im Bekanntenkreis die Wichtigkeit des Blutspendens vor Augen geführt wurde. Letzteres passiert aber gerne auch so spät im Leben, dass gesundheitlich nicht mehr so viele Spenden drin sind.
Da ist durchaus die Frage berechtigt, was getan werden kann, um mehr Menschen zum Spenden zu motivieren.
Bayern –
Kann man nicht einfach Blutspenden und so helfen ohne gleich wieder etwas dafür zu bekommen.
Meine Frau war nach der Geburt meiner Tochter für mehrere Tage auf der Intensivstation und braucht e mehrere Infusion da sie bei der Geburt viel Blut verloren hatte.
Seitdem gehe ich zum Blutspenden.
Um mit meinem Blut anderen Leuten zu helfen.
Thüringen –
Ich glaube, so ein freier Tag, auf den Jennifer L. hingewiesen hat, würde sogar noch mehr motivieren, als Rabatte. Aber das finde ich hier in Deutschland nicht realistisch – hier gibt es ja eher Diskussionen, ob nicht zu wenig gearbeitet wird. Da wird man Menschen wohl kaum noch einen freien Tag zur Belohnung oder Erholung gewähren, auch wenn es für einen guten Zweck ist.
Nordrhein-Westfalen –
In einigen Ländern (Italien, Polen, Kroatien und noch viele andere) bekommt man den Tag der Blutspende als bezahlten Urlaubstag, teilweise sogar den zweiten Tag nach der Blutspende. Da könnte ich mir vorstellen, dass solche eine Freistellung von der Arbeit ein großer Anreiz sein könnte 🤔 Also ich fände es auf jeden Fall gut 😁
Bayern –
Das wäre doch mal eine Maßnahme ... in Bayern gibt's die Ehrenamtskarte. Die kann beantragen, wer wenigstens fünf Stunden wöchentlich ehrenamtlich / unentgeltlich arbeitet - und damit erhält man auch diverse Vergünstigungen. 25% Nachlass bei der Volkshochschule, vergünstigte Eintrittspreise in Museen und Galerien (nicht überall, aber viele beteiligen sich daran), Preisnachlass bei der Gemeindebücherei (bei meiner zahlt man gar nichts, wenn man diese Karte vorlegen kann), ...
Baden-Württemberg –
Tolle Idee, Uta! Danke, dass du sie mit uns geteilt hast.
Ich fürchte allerdings, dass sowas bei uns an der Bürokratie scheitern würde. Erste Frage wird sein: "Wer soll die Kosten ausgleichen?" Das DRK? Bund, Länder, Kommunen? Ferner werden sich unsere 5 Blutspendedienste nie auf ein gemeinsames Konzept einigen können. Und schon haben wir eine bunte, deutsche Zuständigkeits-Diskussion ...