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Max S Bayern

11Vollblut
BISHER GESPENDET
21.02.2021, 21:22 Uhr

Hallo liebe Blutspender. Ich habe vor einiger Zeit nach zehnjähriger Pause wieder angefangen Blut zu spenden. Ich arbeite in einem Bürojob und vollbringe da nichts, was die Welt wirklich weiter bringt oder irgendjemandem direkt hilft. Blutspenden hat sich für mich gut angefühlt, weil es hilft die belanglosigkeit meines Berufslebens etwas auszugleichen.
Mittlerweile habe ich mich aber dabei ertappt, wie ich eine Art "falschen Ehrgeiz" und gewisse Selbstdarstellungs-Tendenzen um das Blutspenden entwickelt habe.

Symptom Nummer 1: Ich habe Instagram Fotos von der Nadel in meinem Art und dem sich füllenden Beutel gepostet. Ich würde jetzt gern sagen, dass ich das gemacht habe um andere zum Spenden zu motivieren. - Tatsächlich sind ein paar Freunde, die das Bild gesehen haben dadurch drauf gekommen selbst wieder zu spenden. Natürlich ist das nicht die ganze Wahrheit - die Welt sollte von meiner heroischen Tat erfahren :D.

Symptom Nummer 2: Trophäenjagd. In einem Wikipedia-Artikel über das Blutspenden habe ich gelesen, dass es nach einer gewissen Anzahl von Spenden eine Blutspenderehrennadel gibt! So ein Ding wollte ich auf jeden Fall. Ich habe gleich ausgerechnet, wieviele Jahre ich brauche um die entsprechende Anzahl Spenden zu erreichen. Mir fällt zwar beim besten Willen kein Anlass ein, zu dem ich mir das Ding anpinnen könnte, aber ich wollte dieses Statussymbol haben! Dann habe ich festgestellt, dass die Ehrennadel nicht mehr (überall) verliehen wird und durch einen schnöden Kaffeebecher ersetzt wurde. Ich war entstetzt und mir hat sich allenernstes für eine Sekunde die Sinnfrage des Spendens überhaupt aufgedrängt.

Mit etwas Abstand muss ich ein bisschen über meine Eitelkeit lachen. Ich habe nochmal gründlich über meinen Antrieb zum Blutspenden nachgedacht und bin wieder bei meiner alten Haltung angekommen. - Es ist eine kleine gute Tat, die sich für mich gut anfühlt. Nicht mehr und nicht weniger. Und auch das ist letztlich wieder ein egoistischer Antrieb.

Wie geht es euch damit? Habt ihr ähnliche Erfahrungen gemacht? Oder vielleicht sogar noch lustigere Auswüchse des falschen Ehrgeizes erlebt? :)

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Anna Lena K
Nordrhein-Westfalen24.02.2021, 17:47 Uhr

Wirklich mal ein amüsanter und dazu authentischer Beitrag hier, yay! Mich nervt dieser Schein-Altruismus hier im Forum, habe dazu auch schon mal einen längeren Kommentar irgendwo abgegeben. Gibt es 100-prozentigen Altruismus überhaupt? Bin mir da nicht so sicher... der Karl-Heinz meint er macht es nur aus reiner Nächstenliebe, ist hier im Forum aber immer schön aktiv und teilt uns Fremden mit, wann wieder sein nächster Termin ist oder wie ihn alle im Dorf und das Blutspendeteam kennen... hm :D egal. Symptom Nr. 2 hatte ich schon direkt am Anfang bei meiner ersten Spende: Wann kommt die erste Ehrennadel? :D Das mit dem Ausgleichen von „schlechten“ Taten mit guten Taten, kenne ich auch in anderen Situationen: Man fährt mit der Bahn, isst vegetarisch, vermeidet Plastik und brüstet sich damit, wie sehr einem die Umwelt am Herzen liegt. Und dann fliegt man mit dem Flieger nach Asien für den Urlaub ;) meine Hauptmotivation ist wahrscheinlich das gute Gefühl danach. Würde es mir jedes Mal total schlecht gehen oder ich müsste unglaublich viel für das Spenden opfern, würde ich es wohl nicht lange durchhalten. Deswegen bin ich z.B. auch keine Pflegerin geworden, da ich weiß, dass ich diesen Job nicht machen wollen würde, obwohl es ein ganz wichtiger Beitrag für die Gesellschaft ist und wir alle mal alt werden. Dagegen ist alle drei Monate eine Stunde Blut spenden ein Klacks ;) wer hier im Forum ernsthaft von heroischen Heldentaten spricht, der übertreibt meiner Meinung nach ;) auch wenn es selbstverständlich ein wichtiger, essenzieller Beitrag zur Gesellschaft ist! Anyway, lasst uns alle mal bisschen ehrlicher sein :) und weswegen das Blut am Ende im Beutel landet, ist für den Empfänger ja letztendlich egal.

P.S.: Zu dem ganzen Thema Gutes tun gibt es sehr interessante Studien. Zum Beispiel motiviert es Menschen mehr Strom zu sparen, wenn ihnen gesagt wird, dass ihre Nachbarn es besser machen als sie, als ihnen zu sagen, dass sie damit so und so viel für die Umwelt tun können. ;) Wettbewerb gewinnt.

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Max S
Bayern23.02.2021, 08:34 Uhr

Hallo zusammen,
besten Dank für das nette Feedback und eure Gedanken. Ich habe mich sehr gefreut - auch für das Lob meines Avatars betreffend :).
Viele Grüße
Max

Boris K
Baden-Württemberg23.02.2021, 07:01 Uhr

Legendärer Avatar übrigens.

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Thomas S
Nordrhein-Westfalen22.02.2021, 15:46 Uhr

Erstens scheinst du ja wirklich sehr viel Langeweile in deinem Beruf zu haben. Wenn man sich so komische Gedanken macht ( lach) . Zweitens müssten ja dann 80% unserer Politiker blutspenden, die vollbringen größtenteils auch nichts was die Welt verändert. Also Mäxchen, entspann dich und freu dich darüber dass dich einer für sinnlose Arbeit bezahlt. In diesem Sinne....

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Jörg R
Baden-Württemberg22.02.2021, 15:33 Uhr

Ja gut, ich gebe auch zu, dass ich gerne Spendernadeln bekomme und die jeweils höchste Zahl auch an meinem Sonntagsanzug gerne trage.

Warum auch nicht? 😅

Nebenbei hilft man auch natürlich und verhält sich solidarisch. Oder hauptsächlich und die Ehrungen sind nur Nebensache? 😎

Ganz egal, das Ergebnis zählt! Und ein kleiner Wettbewerb unter Kumpels, wer mehr vorlegt, schadet auch nicht. Ist ja wie beim Sport.

Team Bayern
Blutspendedienst des BRK22.02.2021, 12:27 Uhr

Hallo Max,

danke für Deine ehrliche und sehr reflektierte Nachricht und Deine Bereitschaft, wieder Blut zu spenden.
Die Motivation ist natürlich bei jedem sehr individuell.
Schön, dass Du wieder Deinen Weg zu den Lebensrettern gefunden hast und ein bisserl Ehrgeiz schadet ja nie - wie bei allem - im gesunden Maße ;-)

Ganz liebe Grüße und noch einen schönen Start in die Woche
Michaela vom BSD

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Karlheinz G
Baden-Württemberg22.02.2021, 10:47 Uhr

Meine Motivation Blut zu spenden besteht darin Menschen zu helfen. Das "Sammeln" der Spender-Nadel und Urkunden sind hier nur ein Nebeneffekt. Ich versuche dies sechsmal m Jahr zu tun.

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Stefan L
Nordrhein-Westfalen22.02.2021, 10:45 Uhr

@Maria Magdalena: Stimmt, durch regelmäßiges Blutspenden kann der Blutdruck gesenkt werden. Wenn man zusätzlich noch feste dran glaubt, gelingt es besser. Und eine gute Tat ist jede Spende sowieso! Bleib gesund!

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Maria Magdalena H
Bayern22.02.2021, 10:36 Uhr

Meine Hoffnung ist meinen Blutdruck zu senken ... das es auch einem guten Zweck dient macht es noch sinnvoller...
also warum auch immer ... das Ergebnis zählt !

Elke F
Rheinland-Pfalz22.02.2021, 07:53 Uhr

Hallo Max,
ich finde deine jetzige Einstellung zur Blutspende klasse.
Was deinen angeblich unwichtigen Bürojob angeht - jeder, der arbeitet, trägt seinen Teil zur Gesellschaft bei. Ganz egal was er arbeitet. So unwichtig kann es gar nicht sein.
Was das Thema der Selbstdarstellung angeht - ich finde diese ganzen Pots um die Corona-Impfungen noch viel schlimmer. Die Leute posten es, und sagen damit "ich bin systemrelevant!!!" Bei Instagram massenhafte Posts. Ich glaube auch, dass hier in diesem Forum die ein oder andere Frage zum Thema Corona-Impfung darauf abzielt. Ganz ehrlich, das finde ich viel schlimmer.

Ich wünsche dir eine angenehme Arbeitswoche, bleib gesund. 🍀🍀

LG Elke

Boris K
Baden-Württemberg22.02.2021, 07:42 Uhr

Ich habe mal die Anekdote gelesen, dass Blutspenden in den Anfangszeiten noch weiblich konnotiert wurde - echte Männer geben natürlich keinen Tropfen ihres Lebenssaftes und ihrer Kraft ab, wo käme man da denn hin... bis ein Blutspendedienst (Australien? UK?) Ehrennadeln einführte und Blutspenden als Dienst fürs Land bewarb. Dann ging es auf einmal 🤔.

Finde das charmant, habe es aber nie geschafft, die Anekdote zu verifizieren.

Man muss sich absolut nicht grämen, sich auch von externer Motivation treiben zu lassen. Ich möchte behaupten, dass das bei jedem und jeder irgendwo mit reinspielt - auch und gerade bei denjenigen, die sich lautstark altruistisch geben. Letzten Endes sind wir Menschen halt doch ziemlich simple Kreaturen.

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Wolfgang M
Hamburg22.02.2021, 00:02 Uhr

Also, ich geh' spenden, weil das Blut dringend benötig wird, besonders jetzt. Wobei ich mit meiner Blutgruppe AB+ weniger gebraucht werde - aber ich gehe trotzdem, weil ja auch Bestandteile aus dem Blut benötigt werden. Wenn ich dann (zuletzt für die 25. Spende) eine Nadel bekomme, bin ich natürlich stolz, aber ich mache es auch ohne irgendwelche Anerkennungen. Das "vielen Dank für Ihre Spende" würde mir genügen. In meinem Freundeskreis werde ich auch mit etwas Ehrfurcht betrachtet. Allerdings könnten die Luschen gern auch mal spenden gehen, aber da bekommen sie ihren A... wieder nicht hoch. Da redet man sich den Mund fusselig und alle sind meiner Meinung - aber wenn ich dann sage, ich gehe dann und dann zur Spende, komm doch mit: Keine Zeit. Echt doof.

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